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Augen zu

Überspringt man die gelegentlichen Hinweise auf die GEMA, kann man sich auf At My Funeral Videos von Liedern ansehen/anhören, die sich gewiefte YouTube-Kommentatoren für ihre Begräbnisse wünschen.

Eine nette Mash-Up-Idee, die mich aktuell dazu führt mal eben bekannt zu geben und fest zu halten, was denn auf meiner Beerdigung gespielt werden soll. So sich denn jemand findet, der auftaucht und ein iPad oder ähnlich Internet-fähiges Gerät bei sich trägt, und noch genug Bandbreite hat, um das folgende Video bevorzugt bufferfrei abspielen zu können, bitte ich um:

Wenn man schon dabei ist, kann auch direkt der zugrundeliegende Film gezeigt werden. Die DVD dazu wird sich in den nächsten Tagen in meinen Besitz und später dann als eines meiner wenigen Besitztümer in der von einem noch namenlosen Beamten verlesenen Liste derselben befinden. Es wird die einzige mit Björk sein, da ich bezweifele mir jemals Teile des Cremaster Cycles zuzulegen.

Ironischerweise gestand mir der stocksteife Fielmann-Mitarbeiter beim Blick auf das Resultat meines Sehtests heute, dass es gerade ums rechte Auge nicht mehr so gut bestellt sei. Ich schaffte es zwar ihm mit der Erwiderung, dass 60% und 40% ja eigentlich 100% machen, ein Lächeln zu entlocken, was aber nicht viel am Ergebnis änderte und wohl eher dafür sorgt, dass ich erst erblinde bevor ich abdanke. Na danke.

Orangerie Düsseldorf

Ich sitze contemplativ auf einer Bank und will trotzdem mit der älteren Frau, die es sich – ihren Krückstock trefflich an die Lehne gelehnt – nicht unweit der von mir Besessenen bequem gemacht hat, ein Gespräch beginnen.

Sie scheint Erfahrung mit der Entspannung zu haben, da sie es sich gut vorbereitet und nach all ihren Regeln auf der Bank eingerichtet hat: ein langes weißes Handtuch als Unterlage, ein rot umstofftes Schaumstoffquadrat (in der Mitte die Fläche halbierend aber die Dicke verdoppelnd gefaltet) als Polster zwischen Rücken und Armlehne, und die Beine, deren Enden unbeschuht, parallel zur Rückenlehne auf der Sitzfläche platziert.

Vielleicht ist sie schon länger (gewollt?) alleine, was das Ansprechen – was soll ich auch groß sagen/fragen? – noch unwichtiger macht, als es sowieso schon ist.

Das soziale Organ der Menschen und seine Allgegenwärtigkeit ignorierend, blicke ich in die Richtung in der die Sonnenstrahlen den Kampf gegen das undichte Blätterdach nur mühsam gewinnen, um auf dem Rasen, den Banken, und somit auch der Frau und mir, helle Lachen entstehen zu lassen. Ihr sporadischer Verbündeter ist mit einem anderen Baum am anderen Ende der Orangerie beschäftigt, so dass die hellen Flecken länger brauchen, um abhängig vom Tatendrang der Sonne und des Windes in Bewegung zu geraten.

Ein Pärchen mit Hund streunt hinter mir her. Der Mann hat zuvor den Umfang eines stämmigen Baums umarmend erfasst und rechnet der Frau – Pi hörbar auf zwei Stellen nach dem Komma rundend – den Durchmesser des Baumes aus. Vermutlich falsch, wenn mich mein Augenmaß und die Erinnerung an die Kreisformel nicht im Stich lässt.

Drei weitere Hunde samt Besitzer stören die Atmosphäre und ich entschließe mich dazu mich und mein müdes aber unruhiges Etwas ins Bett zu schleifen. Ein langer Heimweg liegt vor mir.

Let’s talk about Socks

Jedes mal wenn ich Socken zusammenlege – und die ihren Job erfüllende Waschmaschine im Keller lässt erahnen, dass es zu ähnlichen Aktivitäten in den nächsten Tagen kommen wird – beginnt das Spiel aufs Neue.

Das Spiel ist eine Mischung aus einem Puzzle gepaart (no Pun intended) mit Memory, bei dem es gilt zur Socke A1 das passende Gegenstück Socke A2 zu finden. Nun nutze ich fast ausschließlich Socken des dunklen Typs (ich würde “schwarz” sagen, aber bei meinen Waschkünsten ist es eher eine Vorstufe davon, die letztlich auch zu entfernt von grau ist) unterschiedlicher Machart und Markierung, was aus dem Spiel eher Arbeit werden lässt, bei dem ich Bundlängen vergleiche und vermeintliche Paare gegens Sonnenlicht halte, um die diversen Farbschattierungen voneinander unterscheiden zu können. Beizeiten fehlt eine, weil der Partner noch im Wäschekorb auf seine Runden in der Trommel wartet, aber das ist dabei noch das kleinste Problem.

Um dem nun entgegen zu wirken, werde ich bei nächster Gelegenheit einen ausreichenden Vorrat an bau- und vor allem farbgleichen Socken derselben Marke erwerben und den alten Bestand in den Ruhestand befördern. Netterweise wird es dabei auch keinen Konflikt mit meinen eher seltener benutzten Sportsocken geben, da die ja eher weißer Natur sind.

Problem gelöst. Eigentlich. In der Realität wird es noch etwas dauern, bis sich eben diese Gelegenheit ergibt, aber bis dahin habe ich einen Plan. Einen guten.

KMBWeb.de ging online

Letztlich nichts weltbewegendes, auch mehr eine Pflichtübung aber nichtsdestotrotz erwähnenswert. Das digitale Portfolio – mehr eine Liste meiner technischen Tätigkeiten im Netz – ging heute unter KMBWeb.de online.

Das Design ist fern davon Aufsehen zu erregen, aber das Grafische war noch nie mein Ding. Stattdessen klare Strukturen und knappe Texte in kurz-vor-Schwarz auf Weiß. Unter der Haube versuchte ich mich an HTML5, bin aber immer noch vom Unterschied zwischen <article> und <section> verwirrt, so dass die Semantik Abseits liegen könnte. Ich überlegte zeitweise, ob ich nicht auf unordered Lists hätte umsteigen sollen.

Dafür habe ich bis auf eine Ausnahme gänzlich auf CSS3-Spielereien wie Schattenwurf oder Transitionen verzichtet. Die Ausnahme wird von Google Web Fonts gesponsert und sorgt dafür, dass das Ganze etwas von einem gepimpten Word-Dokument hat. Ironischerweise sieht die Seite im Internet Explorer dafür aus, als sähe man sie sich im Notepad an. Das ist 70% Ignoranz und 30% der Tatsache geschuldet, dass ich auf meinem Win Xp 64bit Rechner Outlook 2010 nicht installieren kann, weil das Betriebssystem das einzige 64bit-System ist, was eben nicht unterstützt wird. Das war übrigens mein WTF-Moment des Tages.

Es wird wohl Zeit für einen neuen Rechner…

Zwice

Bei dem Wort “Zwice” handelt es sich um eine Wortschöpfung meinerseits, die ich nach einigem Überlegen folgenderweise definiere:

ZwiceNomen — Das zweimalige Auf- bzw. Eintreten einer Sache/eines Ereignisses innerhalb eines kürzeren Zeitraums (meist im Ablauf eines Tages) ohne das beide in einem offensichtlich erkennbaren Zusammenhang zueinander stehen. Leichte Abweichungen sind möglich.

So las ich gestern Morgen zB auf dem Weg zur Arbeit im New Yorker einen Bericht über den Choreografen Mark Morris und seiner Tanztruppe, in dem das Wort “Petrichor” als “Geruch der Erde nach dem Regen” definiert wurde (es ist eins der betanzten Stücke). Auf dem Heimweg von der Arbeit und nach einem verlängerten Umweg in Form eines Innenstadtbummels roch ich eben diesen Geruch in dem beforsteten Stück am jüdischen Friedhof kurz hinter der Uni und meine Nerven bescherten mir einen Zwice.

Zugegeben, dass ist eine recht seichte Form, aber so die Zeit will, wird es hier im Blog weitere Beispiele geben, da ich das Phänomen sehr interessant finde und immer mal wieder darüber stolpere. Man könnte es vielleicht auch als faux deja-vu bezeichnen, da es nicht darum geht bereits Erlebtes erneut zu erleben, bzw das Gefühl zu haben, es erneut zu erleben, sondern um das Wiederauftauchen eines zuvor Erlebten in einem anderen Zusammenhang. Zweimal einen Trailer eines aktuellen Kinofilms im Fernsehen zu sehen, wäre kein Zwice.

Offensichtlich handelt es sich bei dem Wort um ein Amalgam der naheliegenden Worte “zwei” und dem englischen “twice” also “zweifach” oder “zweimal” und ich muss gestehen, das Wort selbst ist wie die Definition noch nicht final, aber doch irgendwie passend. Um es mal im Gaumen zu testen, empfehle ich, ein Szett hinter die Zahl 2 zu sprechen, also quasi “zweiß”. Ein Z vor die Farbe Weiß zu setzen, geht gleichfalls.

 
Eine ähnliche Wortspielerei versuchte ich seinerseits für meinem Nachnamen zu etablieren. Bredt ist ein recht unbedarfter und bescheidener Nachname. Er wird oft falsch geschrieben oder verstanden, da die Nähe zu Holz näher liegt als die zur Ortschaft. Meist buchstabiere ich ihn mit “dora-theodor” endend, wobei ich neulich ein Telefonat mit einem Herrn Schmidt hatte, der mir, um Missverständnisse bei der Schreibweise zu vermeiden, den Hinweis “weich-hart” gab. Das gefiel mir sehr, es dürfte aber zu viele Menschen stutzen und zu lange überlegen lassen.

Einzig die Skandinavier haben ihren Wortschatz damit erweitert, wie der Etymologe in mir mal rausfand. Die Schweden, Dänen und Norweger nutzen es als “weit” oder “breit”; das englische “breadth” hat sicherlich ebenfalls seine Finger im Spiel. Das war mir aber nicht genug. Bredt sollte das Ereignis definieren, das eintritt, wenn zwei oder mehr Regentropfen auf dem Weg zur Erde – also in der Luft – aneinanderstossen. Zwischenzeitlich war es mal das Geräusch, das bei diesem Ereignis entsteht, aber das war zum einen zu extravagant und zum anderen kam mir “platsch” zuvor. Aufgrund des eher seltenen und nur schwer zu beobachtenden Eintritts (Physiker würden ihre Freude dran haben), setzte sich das Wort bisher noch nicht durch. Der Duden ist also noch nicht informiert.