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Kino für die Sinne

Vorgeplänkel: In den Zeiten in denen ich noch als EvilBernd unterwegs war, verfasste ich nach meinen wochenendlichen Besuchen eines Magic-Turniers gerne den einen oder anderen Bericht. Ich spiele zwar nicht mehr, dafür gehe ich aber öfter ins Kino. Wie eben am Sonntag…

Es stand “Pina” auf dem Programm, der nun auch schon fast ein Jahr durch die Kinos läuft und von mir stilecht in Wuppertal gesehen wurde. Es gibt nach knapp 52 Wochen auch nicht mehr viel Auswahl was das Lichtspielhaus betrifft. Neben Wuppertal hätte es noch Bochum werden können, aber das erfuhr ich erst später und hätte nicht viel geändert. Einen Besuch in meiner Geburtsstadt mit einem Kinobesuch zu verbinden, vor allem wenn der Film eben jene Stadt als Kulisse nutzt, sind zu viele gute Argumente.

Die Fahrt vorbei an der überflossenen Ruhr verlief harmlos und ehe ich mich versah, lief ich die Berliner Straße entlang in der Hoffnung die richtige Richtung gewählt zu haben. Es war zeitlich doch etwas knapper und auf halbem Wege feststellen zu müssen, dass die Hausnummer auf- und nicht abwärts wanderten, hätte in Stress ausarten können. Aufgrund meiner körperlichen Beeinträchtigungen – Nachtblindheit – bin ich gerne zeitig im Kino, um nicht auf dem Weg zu meinem Sitz durchs Dunkle und über vorher für mich nicht Dagewesene stolpern zu müssen.

Ich muss gestehen, dass ich nicht gedacht hätte mal in den Genuss eines 3D-Films zu kommen. Es gibt zum einen nicht viele bis keine 3D-Filme, die in den Kinos laufen, die ich besuche und noch weniger Programmkinos, die die Kosten für den Umbau auf das 3D-Spektakel auf sich nehmen. Das Kino hatte investiert, nach einer kurzen Sitzprobe aber definitiv in das falsche Objekt. Die Polsterung ließ meinen Hintern vermuten, dass sie um die Zeit installiert wurde, als man ihn, im Krankenhaus zu Barmen keine paar Kilometer von seinem jetzigen Platz entfernt, zum ersten Mal unsanft behandelte, um mir ein Schreien zu entlocken. Ich verkniff mir das Schreien, platzierte mich aber einen Sitz weiter mittig auf einen Sitz an dem die rechte Armlehne fehlte. Eine verbliebene Schraube ließ ahnen was mit der Lehne passiert war. Für 11,- EUR Eintritt (die man mit der Einrichtung der 3D-Möglichkeiten begründete) kann man da meines Erachtens mehr erwarten. Schließlich sieht im Kino nicht nur das Auge mit.

Während ich noch mit meiner Platzwahl beschäftigt war, bevorzugt hinten eher links, hatten die anderen Besucher weniger Probleme und das Kino füllte sich. Für eine Mittags-Matinee waren das sicherlich keine schlechten Zahlen, was wohl für weitere Wochen Laufzeit (und neue Sitze?) sorgen wird, und ehe ich mich versah, war auch meine Reihe unter Beschlag genommen worden. Eine Vierergruppe bestehend aus einem älteren und einem jüngeren Pärchen – höchstwahrscheinlich verschwägert und zumindest die jüngere Hälfte eher nicht gerade das Programmkino-Klientel, wenn mir das Schubladendenken kurz erlaubt ist – kam mir zu nahe, und dann noch näher, bis mir Senior noch nicht einmal durch die fehlende Armlehne getrennt, auf die Pelle rückte. Man bot mir Weingummi an, aber ich lehnte dankend ab. Bevor das Licht gelöscht wurde, konnte ich noch mit Bedenken erblicken, dass Junior sich ausreichend mit Nachos, Popcorn und Chips versorgt hatte, was für mich ein weiteres Indiz dafür war, dass er (oder zumindest seine portable Snackbar) eher fehl am Platze zu sein schien.

Ich musste Recht behalten. Die erste Stunde des Films versuchte ich mich an die 3D-Brille zu gewöhnen, die mir erschwerend auf die Nase drückte und die Lichtverhältnisse verschlechterte, was meine Sicht verschlechterte, was das 3D-Erlebnis nicht besser machte. Als Untermalung zum Film gab es eigentlich klassische Musik, die aber ebenfalls von den Baggerbewegungen untermalt wurde, die Junior mit Hand und Popcorn-Tüte vollzog. Mir ist bewusst, dass ich in solchen Dingen überempfindlich reagiere, aber wenn der Film nur (dies nicht wertend) aus Tanz und Musik besteht, drückt sich dem nicht das Prädikat “Popcornkino” auf. Ich überlegte sogar, ob es nicht Sinn macht, neben einer Alters-Wertung für Filme auch eine Geräusch-Wertung einzuführen. Je nach Film kann damit bestimmt werden, was das Kino verkaufen sollte.

Exemplarisch:
- Mission Impossible IV: Nachos mit extra Käse und Jalapenos, dazu die 1l Coke und die 2kg Popcorn
- The Girl with the Dragon Tattoo (aka Verblendung): Ebenfalls a la carte
- Ziemlich beste Freunde: Nachos und ein Bier
- The Artist: Schokolade und einen Tee
- Halt auf freier Strecke: maximal ein Paket Taschentücher

Bei näherer Betrachtung wirkt das Snackkonzept im Kino als würde man Zigarettenautomaten in Wälder aufstellen. Im Sommer. Mit kostenfreien Streichhölzern, Verkaufspreisen wie zu DM-Zeiten und praktischerweise hat jemand eine Rolle 2-Euro Münzen neben dem Automaten verloren…

Das Problem ist auch, dass ich an solchen Stellen nichts sagen kann. Zum einen ist es ja nicht seine Schuld, dass das Kino ihm die Sachen verkauft hat (siehe nicht unweit oben) und ein Verbot meinerseits hätte wohl weder einen Effekt noch wäre es höflich, und ich würde gegen meine persönliche Auflage verstoßen, dass man im Kino den Mund nur zum Staunen aufmachen darf. Zum anderen weiß ich nie was ich sagen soll. Am Ehrlichsten und Einfachsten ist “Sie stören mich”. Das reimt sich aber nur zu gut auf “Ja, und?” und schon hat man ein Gedicht, ist aber keine Strophe weiter. Natürlich könnte die Antwort auch anders ausfallen, aber würde dies nicht ein gewisses Maß an Höflichkeit verlangen, die wiederum dafür sorgt, dass die Person gar nicht erst auf die Idee kommt, den Kinosaal für seine Nahrungsaufnahme zu gebrauchen?

Vielleicht ist sich die Person gar nicht über die Konsequenzen seines Handelns bewusst? Wie kann man aber nicht? Man sitzt im Dunkeln, vor einem flimmerts, es spricht keiner und was auf der Leinwand geschieht, sieht irgendwie “zerbrechlich” aus. Ergo die beste Gelegenheit in eine Tüte zu greifen, um sich Popcorn in den Mund zu befördern. Immer und immer wieder. Nicht wirklich. Wäre man bei der Namensgebung ehrlicher gewesen, müsste es, alleine aufgrund der Geräuschpalette, zu der der Snack fähig ist, “PopRaschelKnirschCorn” heißen. Und man will keins der dreien hören, wenn man sich “Pina” anschaut, so viel kann ich versichern.

Nach dem Film trat ich noch in Juniors leere Nacho-Schale, so dass auch meine Schuhe nicht leer rausgingen.